Wie Deutschland auf den Status von 1930 absinkt.
Als dieses Buch im August herauskam, konnte noch nicht erkannt werden, dass es zu einer großen, unmittelbaren Staatskrise, auf Grund ökonomischer Veränderungen, kommen würde. So bietet das Buch von Sch. auch weniger den Blick auf Merkantilismus, Kameralismus und Staats- wie Behördenorganisation im 17./18. Jahrhundert, als Referenzgrößen zu den Zuständen in der BRD heute. Denn um diese geht es dem Autor.
Ob die deutschern “Erfindungen” der Reformation oder des Sozialismus, unser Land war im Gefolge geteilt und verwickelt in blutige Glaubensauseinandersetzungen und soziale Zerreissprozesse. Sch. zeigt auf, wie die Universitas des Mittelalters bis heute nicht wiedererlangt wurde.
Weichenstellungen, wie die am Vorabend der Französischen Revolution oder in der Epoche des Krimkrieges, bedingten die Schwächung Preußens im Jahre 1806, und das Ende des Kaiserreiches 1918. Sch. legt nahe, dass eine Reform, wie zwischen 1807 und 1813, nicht mehr eintrat; so sei es zu dem “Zusammenbruch” 1945 und dem nur teilweisen Wiederaufbau nach 1949 (DDR-BRD) gekommen. Dessen Teilerfolg führte nach 1990 zu Krisenschüben, die bis heute Deutschland geschwächt (einerseits souverän – andererseits ohne ausländische Kapitalhilfe) und unfähig zu tiefgreifender Innovation, zurückgelassen hätten. Was Sch. nicht sagt, was jedoch dahinter steht blleibt, dass Deutschland damit heute in der Lage ist, die Adenauer mit der Ablehnung des Stalinschen Geheimplanes 1952 (geheimer Stalinbrief: Neutralisierung/Wiedervereinigung) vermied. Deutschland wäre auf dem Status von 1930 eingefroren worden; ein Wirtschaftswunder im Westen des Landes nicht möglich geworden. Das ist aber der Status Deutschlands nach der Wiedervereinigung 1990.
Die Schwäche der BRD, so Sch., beeinträchtige auch Europa, dessen Zukunftsfähigkeit er folgerichtig bezweifelt. Es handelt sich um ein Buch, das – bereichtert um Beiträge weiterer anerkannter Wissenschaftler (Moses, Brouceck, Borgert, Otto)- die Deutschen, die sich gern vor unbequemen Einsichten ducken, zu weiterführender Erkenntnis anregen sollte.